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Chemotherapie
Seit über 30 Jahren wird in der Klinik für Strahlentherapie und heute schwerpunktmäßig im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Kliniken Maria Hilf GmbH die medikamentöse Therapie aller soliden Tumoren gepflegt. Zwei Fachärzte, vier speziell in der Chemotherapie erfahrene Krankenschwestern und zwei Sekretärinnen sind jederzeit für die Patienten Ansprechpartner. Neben der Chemotherapie finden Antikörper, Hormone und Immuntherapeutika Anwendung, alleine oder in Kombination mit einer Strahlentherapie. Ein besonderer Schwerpunkt ist die regionale intraarterielle Chemotherapie (Tumorperfusion).
Die Chemotherapie gehört neben der Chirurgie und der Strahlentherapie zu den drei Säulen, gegen Krebs vorzugehen. Sie hat jedoch Nebenwirkungen, vor denen sich viele Betroffene fürchten. Übelkeit oder Erbrechen und andere Begleiterscheinungen lassen sich heute allerdings meist mit Begleitmedikamenten unterdrücken.
Grundsätzlich versteht man unter Chemotherapie die medikamentöse Behandlung mit verschiedenen chemischen Substanzen, die Tumorzellen zu schädigen vermögen. Die verwendeten Medikamente werden entweder synthetisch hergestellt oder sind Abkömmlinge von in der Natur vorkommenden Substanzen. Entscheidend ist, dass sie ihre schädigende Wirkung gezielt auf bestimmte krankheitsverursachende Zellen ausüben und diese abtöten oder in ihrem Wachstum hemmen, während normale Körperzellen weniger oder idealerweise gar nicht von dieser Wirkung betroffen werden.
Die so genannten soliden Tumoren, die zunächst als Geschwulst in einem
Organ auftreten, können sich über die Lymph- und Blutbahnen ausbreiten
(lymphogene und hämatogene Metastasierung). Haben sich schon Metastasen
in andere Organe des Körpers abgesiedelt, dann reichen meist die lokalen
Behandlungsformen Operation und/oder Bestrahlung allein nicht mehr
aus, um die weitere Ausbreitung der Krebserkrankung zu stoppen. In
diesen Fällen muss die Behandlung mit Zytostatika den gesamten Organismus
erfassen. In manchen Fällen kann eine zusätzliche Chemotherapie nach
der chirurgischen Entfernung des Tumors das Rückfallrisiko senken
(sogenannte ergänzende oder adjuvante Chemotherapie). Auch vor der
Operation kann eine Chemotherapie bei einigen Krebsformen die Behandlungsergebnisse
verbessern (sogenannte neoadjuvante Chemotherapie). Ziel hierbei ist
es, den Tumor vor dem Eingriff zu verkleinern oder eine frühzeitige
Metastasierung zu verhindern. Die verwendeten Medikamente (Zytostatika/Chemotherapeutika)
werden entweder synthetisch hergestellt oder sind Abkömmlinge von
in der Natur vorkommenden Zellgiften. Die Herkunft dieser Medikamente
aus der Natur führt allerdings nicht dazu, dass diese Stoffe als "sanft"
oder "natürlich" gelten können oder weniger Nebenwirkungen haben.
Zytostatika entfalten ihre Wirkung überwiegend im Zellkern, der Steuerzentrale
der Zelle. Dort sollen sie den natürlichen Zelltod, die Apoptose,
der Tumorzellen auslösen. Die Entscheidung zur Anwendung dieser Therapieform
wird immer individuell getroffen. Wichtige Faktoren sind Art und Stadium
der Tumorerkrankung sowie der körperliche Zustand des Patienten. Vor
Behandlungsbeginn muss stets eine Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Die Belastung des Patienten durch die Behandlung sollte keinesfalls
den Nutzen überwiegen. Für einige häufigere Erkrankungen existieren
Leitlinien der Fachgesellschaften zur Behandlung, die auf der Auswertung
sehr vieler Krankengeschichten bzw. klinischer Studien beruhen. Sie
können ein Anhaltspunkt für den zu erwartenden Nutzen einer Chemotherapie
sein. Die verschiedenen zur Chemotherapie eingesetzten Medikamente
können eine Vielzahl unerwünschter Wirkungen haben. Diese Nebenwirkungen
sind u.a. von den eingesetzten Zytostatika, ihrer Dosis sowie der
Dauer der Verabreichung abhängig. Der Allgemeinzustand des Patienten
spielt hierbei ebenfalls eine wesentliche Rolle. Zu den häufigsten
akuten Nebenwirkungen, die bei sehr vielen Zytostatika auftreten können,
zählen Übelkeit und Erbrechen, Schleimhautentzündungen, Fieber, Haarausfall
und Blutbildveränderungen durch Schädigung des Knochenmarks. Besonders
betroffen sind die weißen Blutkörperchen. Sinkt ihre Zahl stark ab,
macht dies die Patienten vorübergehend anfällig für Infektionen. Neben
den physischen Nebenwirkungen kann eine Chemotherapie sowohl für den
Patienten als auch für dessen Angehörige eine starke psychische Belastung
sein. All diese Nebenwirkungen können von Fall zu Fall und je nach
Art der Chemotherapie sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Vielen
Nebenwirkungen kann heute effektiv mit Medikamenten entgegengewirkt
werden. So kann Übelkeit und Erbrechen durch Verabreichung sogenannter
Antiemetika erheblich reduziert oder sogar völlig verhindert werden.
Der Haarausfall lässt sich kaum wirkungsvoll vermeiden, aber die Haare
beginnen meist schon nach kurzer Zeit wieder zu wachsen. Häufig kommen
auch "Wachstumsfaktoren" zum Einsatz, die eine schnellere Regeneration
der weißen und roten Blutkörperchen erreichen können. Die Chemotherapie
ist in der Regel eine Intervallbehandlung: Auf eine Behandlungsphase
folgt jeweils eine Behandlungspause. Diese Abfolge nennt man "Zyklus"
oder "Kurs". Wie lange ein solcher Zyklus dauert, ist unterschiedlich
und hängt maßgeblich von den verabreichten Medikamenten ab. Die Behandlungspause
zwischen den Zytostatikagaben dient der Erholung und Regeneration
des Normalgewebes.
Die Medikamente werden als Tabletten oder als intravenöse Injektion bzw. Infusion verabreicht. Man gibt entweder nur ein Zytostatikum (Monochemotherapie) oder auch geeignete Kombinationen verschiedener Zytostatika (Polychemotherapie). Zur Infusion kann auch ein sogenannter Port-Katheter angelegt werden: Mit einem kleinen Hautschnitt unter örtlicher Betäubung wird eine Art Kunststoffkammer eingesetzt, die Zugang zu einer großen Vene hat, meist unter dem Schlüsselbein. Mit diesem Port entfällt unter anderem das nicht immer schmerzfreie Suchen nach einer Vene bei jeder neuen Injektion.
70 bis 80 Prozent der Chemotherapien können heute ambulant durchgeführt werden. Nur noch in wenigen Fällen müssen Patienten für die Durchführung einer Chemotherapie ins Krankenhaus, damit der behandelnde Arzt die Wirksamkeit der Therapie überprüfen und gleichzeitig die Nebenwirkungen überwachen und behandeln kann.
In einzelnen Fällen wird, als sogenannten regionale Chemotherapie, auch die gezielte Einspritzung von Zytostatika in die Blutgefäße der Tumorregion bzw. des Organs, in dem der Tumor sitzt, angewendet. Dabei werden die Medikamente über einen Katheter in die zu den befallenen Organen oder Körperbereichen führenden Blutgefäße gespritzt. Wird das erkrankte Organ unter Abschluss vom übrigen Kreislauf mit Zytostatika durchströmt, spricht man von regionaler Perfusion.
Nach Abschluss bzw. in regelmäßigen Intervallen zwischen den Therapiezyklen erfolgt zur Beurteilung des Therapieerfolges eine Kontrolle der Tumorausdehnung mit den Untersuchungsmethoden, mit denen vor der Therapie eine Tumorausdehnung nachweisbar war.
Eine Chemotherapie wird als erfolgreich angesehen, wenn die Tumormasse nicht weiter an Größe zunimmt (= Stabilisierung), bzw. sich verkleinert, was durch Röntgenuntersuchungen, Ultraschall, Computertomographie, Kernspintomographie oder PET objektiv messbar ist; auch die Messung von Tumormarkern und anderen Werten aus dem Blut kann je nach Situation mehr Informationen liefern und wenn sich Beschwerden, Schmerzen und das subjektive Befinden des Patienten bessern, etwa durch Steigerung der Leistungsfähigkeit und Appetitzunahme.
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